Zu allen Zeiten war der Durchgang durch die Viamala-Schlucht gefürchtet.
Hohen Rätien - eine Burg?
Leider fehlen in der deutschen Sprache differenzierte Bezeichnungen für steinerne Überreste von einstigen Höhensiedlungen. Wir bezeichnen sie pauschal als "Burgen", obwohl ihre Entstehungszeit, ihre Funktionen und Geschichte sich oft grundlegend unterscheiden und die eigentliche Zeit des
Burgenbaus auf das Hochmittelalter beschränkt ist.
Bei genauerer Betrachtung ist Hohen Rätien alles andere als eine "Burg", fehlt ihr doch ein eindeutiger Wehrcharakter.
Vielmehr hat Hohen Rätien im Laufe der vielen Jahrhunderte seiner Besiedlung und Benützung zahlreiche Funktionen und Aufgaben erfüllt.
Hier eine kleine Palette seiner Aufgaben im Laufe der Geschichte.
Geschichte der Burg
(2. Teil)
Zeitenwende: Spätantike-Frühmittelalter
Station einer Römischen Garnison
Die neusten archäologischen Ausgrabungen (Universität ZH 1997, Archäologischer Dienst Graubünden 1999-2006) sowie Streufunde der letzten Jahrzehnte beweisen für die Spätantike eine Besiedlung des gesamten Burgplateaus von Hohenrätien.
Vergleiche mit ähnlichen Örtlichkeiten aus dem Ostalpenraum z.B. Säben/Klausen im Eisachtal am Brenner lassen vermuten, dass hier eine dauerhafte Siedlung mit regionaler Zentrumsfunktion und einer lateinisch sprechenden Bevölkerung bestand.
Römische Münze
1 Ae2 IV des Constantius II. geprägt zwischen 341-348 n. Chr. aus dem Fundament des spätantiken Gebäudes
(Abbildung typengleich).
Spätrömische / frühmittelalterliche Tempel- und Kirchenanlage
Die heute noch bestehende St. Johann gründet möglicherweise auf einer heidnischen Kultstätte. Sicher aber besass Hohen Rätien ab spätrömisch/frühmittelalterlicher Zeit wichtige kirchliche Funktionen. - So wurde im Sommer 1999 bei Ausgrabungen ein Baptisterium (Taufkirche mit Taufbecken) aus dem 5./6. Jh. entdeckt.
Während der nächsten 1000 Jahre - bis zum Wegzug des letzten Pfarrers Anton Stecher 1505 - behielt die St. Johann ihre wichtigen Funktionen.
Sperranlage am Viamalaweg
Hohenrätien liegt direkt an einer von vorgeschichtlicher Zeit bis ins 17. Jahrhundert benutzten Umgehungsstrecke der Viamalaschlucht, über die der Verkehr von Splügen und San Bernardino abgewickelt wurde.
Daher rückte seine militärische Sperrfunktion Hohen Rätien ins Spannungsfeld zwischen das ausgehende spätrömische Reich, das ostgotisch-langobardische Italien, das nach Süden ausgreifende Frankenreich und den dazwischen liegenden frühmittelalterlichen Kleinstaat der Raetia curiensis und damit ins Interesse der jeweils herrschenden politischen Macht.
Spuren dieser einst wirtschaftlich wichtigen Kontroll- und Zollstation direkt am alten Handelsweg, sind u.a. in Form von Überresten eines möglichen Zollgebäudes am Fusse des Burghügels zu erkennen. Dieses dient heute als Informationsstand für die Besucher der Burg.
Die alte Wegroute des ehemaligen Saumpfades durch die Viamala (die Via Traversina) ist dank dem Einsatz des Vereins KulturRaum ViaMala heute als Wanderweg wieder begehbar. Der Fernwanderweg - die Via Spluga - führt wie einst in einer mehrtägigen Wanderung über den Splügenpass nach Chiavenna.
Home | Sitemap | Webmaster| Kontakte| © copyright Fam. Stiftung Hohen Rätien