Felszeichen von Carschenna in Gefahr
Das Problem:
Das Gestein von Carschenna ist zwar stark verkieselt und daher verhältnismässig hart, trotzdem bereitet die Konservierung der Zeichen, die seit ihrern Entdeckung und Freilegung Ende der 1960er Jahre der Witterung ausgesetzt sind, grosse Sorgen. Ob allerdings die Verwitterung schon so weit fortgeschritten ist, dass die Zeichnungen bereits deutlich schlechter erhalten sind, ist umstritten. Oft ist es auch eine ungünstige Lichtsituation (Nebel, Streulicht) welche die Zeichnungen nur schlecht erkennen lässt.
Problematischer ist das Verhalten der immer zahlreicher erscheinenden Besucher, welche oft rücksichtslos mit den Schuhen auf den Fels und Zeichnungen herumlaufen.
Respekt - bitte!!
Besonders verwerflich war in der Vergangenheit das Vorgehen von Hobbyfotografien, welche nicht davor zurückschreckten, die Linien mit Ölfarbe (!!) nachzuzeichnen.
Besuchen Sie Carschenna mit dem nötigen Respekt und betreten Sie die Felsplatten mit den Zeichen nicht mit Schuhen.
Die Lösung
Erfreulicherweise hat sich die Standortgemeinde Sils i.D. im Jahre 2006 dem Problem angenommen. In Verhandlungen mit der Eigentümerin der Parzelle, dem Kulturraum Viamala, dem Forstamt, dem Archäologischen Dienst und anderen involvierten Personen und Institutionen wird nach Lösungen gesucht, das wertvolle Kulturgut vor weiterer Zerstörung zu schützen, möglichst ohne jedoch den verzauberten Eindruck des Ortes und eine direkte Begegnung mit den Zeugen aus uralter Zeit zu beeinträchtigen.
Felszeichnungen von Carschenna
(2. Teil Deutungen)
Mit einer möglichen Deutung des ganzen Zeichenkomplexes möchten wir sehr vorsichtig sein. Verschiedene Ansätze sollen hier jedoch kurz vorgestellt werden:
Steinkulte
Der ehemalige Bischof Chr. Caminada schreibt in seinem Buch "Die verzauberten Täler"
"Wir wagen anzunehmen, daß eine prähistorische Kulturverbindung bestand zwischen Oberitalien und Deutschland, und zwar über die rätischen Alpen. Dieser Kultus ging von der Lombardei [Mailand und Brescia] durch die Val Camonica nach Poschiavo, durchs Engadin, Julier, Chur, Luziensteig, Schaan, Bodensee, Augsburg und Passau an die Donau, also bis an den nördlichsten Grenzstein des rätischen Gebietes. Die eigentliche Geschichte dieser geheimnisvollen prähistorischen Kundgebungen und deren Deutung liegt noch weitgehend im Dunkel der Jahrtausende. Da und dort hat sie sich in einer wunderbaren Sage kristallisiert und den Weg bis in unsere Zeit gefunden. Man kann sie aus dem Mund unseres rätoromanischen Alpenvolkes vernehmen. ...
Abbildung: Kunstvoller Abrieb durch Ernesto Oeschger, Intragna
Ein Zauberort?
... Der kalte Windzug modernen Wissens geht hochmütig über diese Kulturwerte hinweg und weiht sie damit oft dem Untergang. Aber immer noch geht ein leiser Schauer über den Menschen dieser Täler, wenn er beim Zunachten bei solchen Steinen und Zeichen vorbeihuscht. Er hebt den Fuß schneller und wagt nicht zurückzublicken, wenn er unheimliche Laute knisternd sich melden vermeint. Die Volkskunde glaubt, hier von ehemaligen Opfern in prähistorischer Zeit und von Libationen mit Milch, die in Schalen einander weitergereicht wurden, sprechen zu können. Da und dort redet man von Blumen, grünen Baumzweigen, sogar von Wein und Feuerflammen, ja von Toten, die dort ihre Grabesruhe gefunden haben."
Ein Observatorium?
Carschenna kann mit einiger Wahrscheinlichkeit mit dem bronzezeitlichen Kultplatz von Laax/Falera in Verbindung gesetzt werden, welcher sich praktisch in Sichtdistanz befindet.
Dort legen markante Steinreihen eine Deutung als Astrologische Beobachtungsstation nahe.
Verbindung zu Zentraleuropa?
Ob eine Verbindung zu der bekannten Himmelscheibe von Nebra (Sachsen- Anhalt) besteht, lässt sich kaum belegen. Immerhin wird eine solche an der grossen Ausstellung (Historisches Museum Basel Winter 06/07) angedeutet.
Ein urgeschichtliches Kartenwerk?
Im Jahre 2003 trat der Churer Geograf Markus Weidmann mit einer völlig neunen Erklärungsvariante an die Öffenltichkeit. Sollte es sich bei den Felszeichnungen um ein komplexes Kartenwerk handeln?
Weidmann überlegte eine landestopografische Karte des Domleschg mit den Felszeichnungen und erkannte überraschende Übereinstimmungen.
Die hervorragend gestaltete Dokumentation von Markus Weidmann können Sie sich als pdf-File hier herunterladen:
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