299_Taufbecken1 279_Baptisterium-Slide4

Zeitenwende

Spätantike und Frühmittelalter

Station einer Römischen Garnison


Die neusten archäologischen Ausgrabungen (Universität ZH 1997, Archäologischer Dienst Graubünden 1999-2006) sowie Streufunde der letzten Jahrzehnte beweisen für die Spätantike eine Besiedlung des gesamten Burgplateaus von HOHEN RÄTIEN .
Vergleiche mit ähnlichen Örtlichkeiten aus dem Ostalpenraum z.B. Säben/Klausen im Eisachtal am Brenner lassen vermuten, dass hier eine dauerhafte Siedlung mit regionaler Zentrumsfunktion und einer lateinisch sprechenden Bevölkerung bestand.

Möglicherweise war HOHEN RÄTIEN zur Römerzeit eine Art Vorposten der Zivilisation auf der schwierigen Route einer Alpenüberquerung am Splügenpass.


Römische Münze
1 Ae2 IV des Constantius II. geprägt zwischen 341-348 n. Chr. aus dem Fundament (ADG)
(Abbildung typengleich).




Spätrömische / frühmittelalterliche Tempel- und Kirchenanlage

Die heute noch bestehende Kirche St. Johann & Viktor gründet möglicherweise auf einer heidnischen Kultstätte. Sicher aber besass HOHEN RÄTIEN ab spätrömisch/frühmittelalterlicher Zeit wichtige kirchliche Funktionen. - So wurde im Sommer 1999 bei Ausgrabungen ein Baptisterium (Taufkirche mit Taufbecken) aus dem 5. Jh. n. Chr. entdeckt.
Während der nächsten 1000 Jahre - bis zum Wegzug des letzten Pfarrers Anton Stecher 1505 - behielt die St. Johann & Viktor ihre wichtigen Funktionen.

Wegstation an der Splügenroute

Die Verbindungen über die Bündner Alpenpässe spielten seit der Frühzeit bis ins Hochmittelalter eine hervorragende Rolle im alpenquerenden Verkehr - allen voran der Splügenpass mit seiner direkten Verbindung bis vor die Tore Mailands. HOHEN RÄTIEN lag direkt an dieser Haupthandelsroute und geriet vermutlich schon in der Spätantike in die Hände der Churer Bischöfe, für welche der Passverkehr eine der wichtigsten Einnahmequellen bildete.
Daher rückte die strategische Stellung von HOHEN RÄTIEN ins Spannungsfeld zwischen das ausgehende spätrömische Reich, das ostgotisch-langobardische Italien, das nach Süden ausgreifende Frankenreich und den dazwischen liegenden frühmittelalterlichen Kleinstaat der Raetia curiensis und damit ins Interesse der jeweils herrschenden politischen Macht.
Spuren dieser einst wirtschaftlich wichtigen Wegstation (Pferdewechsel, Herberge, Kontroll- und Zollfunktion?) direkt am alten Handelsweg, sind u.a. in Form von Überresten eines möglichen Zollgebäudes am Fusse des Siedlungshügels zu erkennen, aber auch der Hoch Rialt Turm mit seiner riesigen Zysterne (>30'000l Fassungsvermögen) weist zahlreiche Elemente auf, die ihn als Susthaus mit Herberge und Warenlager auszeichnen.


Die Wegroute des ehemaligen Saumpfades durch die Viamala (die Via Traversina) ist dank dem Einsatz des Vereins KulturRaum ViaMala heute als Wanderweg wieder begehbar. Der Fernwanderweg - die Via Spluga - führt wie einst in einer mehrtägigen Wanderung über den Splügenpass nach Chiavenna.