Die Familie Jecklin und die historische Anlage Hohen Rätien
Die historische Anlage von Hohen Rätien (Hoch-Rialt) ist seit dem Spätmittelalter eng mit der Familie Jecklin von Hohenrealta verbunden.
Hohen Rätien sowie der umliegende Grundbesitz befanden sich über Jahrhunderte hinweg in deren Eigentum. Die Familie führte später das Adelsprädikat „von Hohenrealta“ und war vor allem in Chur und Rodels eingebürgert, wo sie spätestens seit dem frühen 14. Jahrhundert nachweisbar ist.
Der genaue Zeitpunkt und die Umstände, unter denen die Jecklin in den Besitz von Hoch-Rialt gelangten, lassen sich urkundlich nicht mehr rekonstruieren. Erst mit einem erzherzoglichen Dekret vom 27. Oktober 1581 ist gesichert, dass der Familie das Recht verliehen wurde, sich offiziell nach Hohenrealta zu benennen. Dieses Privileg verweist auf eine bereits bestehende, wohl länger zurückreichende Beziehung zur Anlage.
Im 15. und 16. Jahrhundert treten Angehörige der Familie Jecklin in verschiedenen Verwaltungs- und Amtsfunktionen im Dienst der Bischöfe von Chur hervor. Sie gehörten als sogenannte semperfreie Personen zu den reichsunmittelbaren Freien mit Sitz und Stimme an Landtagen und Gerichten. Ihre soziale Stellung übertraf damit teilweise jene des niederen Adels.
Für die Geschichte Hohen Rätiens ist insbesondere Konradin Jecklin von Bedeutung. Er erscheint im 16. Jahrhundert als regional einflussreiche Persönlichkeit im Domleschg und am Heinzenberg. Zeitgenössische Quellen belegen, dass er im Besitz der Ruine Hoch-Rialt mitsamt dem angrenzenden Boden war. In dieser Zeit hatte die Anlage zwar ihre ursprüngliche Funktion weitgehend verloren, blieb jedoch als Symbol familiärer Repräsentation bedeutsam.
Sein gleichnamiger Sohn, Pfarrer in Thusis, erklärte den Besitz später ausdrücklich als Mannsvorteil, also als vererbbaren Familienbesitz (Fideikommiss). Dadurch blieb Hoch-Rialt weiterhin fest mit der Linie der Jecklin verbunden, auch nachdem die Anlage selbst bereits zur Ruine geworden war.
In den folgenden Jahrhunderten wurde Hohen Rätien als einzigartiges Juwel innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben und gepflegt.
Erst Ende 2025 löste die Familie den altrechtliche Fideikommiss auf und errichtete die "Hohen Rätien -Stiftung von Jecklin" als eine ordentliche Stiftung nach geltendem Recht.
Die Beziehung der Jecklin zu Hohen Rätien veranschaulicht exemplarisch den Wandel einer hochmittelalterlichen Wehranlage zu einem frühneuzeitlichen Herrschafts- und Erinnerungsort innerhalb der regionalen Adels- und Führungsschichten Graubündens.